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Mit Achat und Computer

Holger Bülows Vergolderwerkstatt in Berlin-Wilmersdorf

erschienen im: Kunsthandel, März 2002 von Sabine Ebert

"Das ist Ihnen zu teuer? Dann schauen wir mal, was es mit einer anderen Verglasung kostet. Und vielleicht mit diesem Rahmen."

Zwei Eingaben in den Computer, ein Mausklick. und schon erscheint ein neuer Preis auf dem Monitor. Der Kunde staunt, denkt einen Moment nach und stimmt dann erleichtert zu.

Eine Szene, wie sie sich so oder ähnlich regelmäßig in Holger Bülows Werkstatt für Bild und Rahmen in Berlin- Wilmersdorf abspielt.

Der 35-jährige Vergoldermeister Holger Bülow nutzt den Computer nicht nur für Rechnungslegung und Kundenliste. Er verfügt auch über ein Programm, mit dem er vor den Augen der Kunden für jeden Einzelauftrag den Preis kalkulieren und in Sekundenschnelle verschiedene Varianten durchspielen kann, bis der Käufer das Gefühl hat, das Optimum für seine Preisvorstellungen zu erhalten. Der Eindruck einer klaren Preiskalkulation ist dabei ein durchaus erwünschter Nebeneffekt. Von Anfang an hat Holger Bülow den Computer für viele Arbeiten eingesetzt. Sein Bruder Axel, Informatiker und inzwischen in den USA tätig, entwickelte die spezielle Software „Frame Advisor", kurz "Frad". Holger Bülow druckt damit nicht nur Auftragszettel und Rechnungen, auch Angebote, Bestellfaxe, Umsatzlisten für selbst definierte Zeiträume und die Kundenverwaltung gehören zu den EDV unterstützten Abläufen. "Die Kunden sind begeistert und fühlen sich gut beraten. Außerdem habe ich so mehr Zeit, für die Beratung, für die Arbeit in der Werkstatt oder einfach nur für mich." jetzt bietet Holger Bülow dieses Programm auch anderen Interessenten aus der Branche an. "Ich will damit nicht reich werden. Aber es ist einfach zu schade, wenn damit nur einer arbeiten kann, denn die Arbeit ist ja nun mal gemacht." Holger Bülow selbst ist nicht der"klassische Computerfreak", der nur auf Hightech schwört. Mit Stolz verweist er in seinem Firmenprospekt darauf, die 4.000 Jahre alte Technik der Polimentvergoldung, die edelste und zugleich anspruchsvollste Art aller Blattvergoldungstechniken, einzusetzen. Sein Vater Egon Bülow leitete die Vergolderei in einer 200 Mann großen Bilderrahmenfabrik im Hochsauerland, wo Sohn Holger seine Lehre absolvierte. Danach ging er auf Wanderschaft, arbeitete in verschiedenen Betrieben. Doch die richtige Freude am Beruf des Vergolders entstand erst, als er 25-jährig in der Handwerksfirma F. Wehner tätig war. "Unter Leitung von Reiner Klose arbeitete ich dort an individuellen Aufträgen und sah am Ende des Prozesses Bild und Rahmen. Ein Erlebnis, das ich in der industriellen Produktion so gut wie nie hatte. Hier gab es auch den typischen Geruch von Harzmasse. Den kannte ich aus meiner Kindheit, aus Vaters kleiner, nebenberuflich betriebener Bilderrahmenwerkstatt', erzählt er mit einem Leuchten in den Augen. Holger Bülow erwarb den Meisterbrief an der Münchner Meisterschule für Vergolder und stieg 1995 als Teilhaber bei dem 60-jährigen Berliner Einrahmer Kurt Urban ein, um mit ihm gemeinsam die eigene Vergolderei einzurichten. Nach einem Jahr übergab Kurt Urban dem jungen sein Geschäft, und der freut sich heute noch, wenn der Senior vorbeikommt, der sich wohl ab und zu immer noch nach dem Geruch von frischem Holz, Leim und Farbe sehnt. Und auf ein Schwätzchen mit dem jüngeren, dessen "neumodische Änderungen" auch Kurt Urban schnell überzeugten. "Der Kurt, der noch nie zuvor an einem Computer gesessen hatte, wollte nach einigen Tagen nicht mehr mit Auftragsblock und Bleistift arbeiten."  Die kleinen und verwinkelten Räume Laden und Werkstatt sind zusammen nur 60 Quadratmeter groß, die Vergolderei über den Hof ebenso - strahlen Gemütlichkeit aus. Der Verkaufsraum ist voll mit selbst entwickelten Modell- und Stilrahmen verschiedenster Epochen. Die einzelnen Variationen hat Holger Bülow in abnehmender Größe ineinander gesetzt. Das ermöglicht die geordnete Präsentation von hunderten Rahmen auf kleinstem Raum, ohne überladen zu wirken. Wer schließlich Bülows Mannschaft kennenlernt, der spürt: Der Umgang untereinander ist nicht nur freundlich, sondern freundschaftlich. Das rührt wohl auch von dem Respekt her, den der junge Chef seinen Mitarbeitern zollt. "Es ist nicht so leicht, einen Arbeitsplatz zu schaffen", kommentiert er das Wachstum der Firma auf mittlerweile vier Mitarbeiter. Neben dem geprüften Bildeinrahmer Jörg Aursch und dem Vergoldergehilfen Fredy Kemmler, der auf 325-Euro-Basis arbeitet, gehört seit kurzem eine Auszubildende dazu. Randa Ghazal hatte im vergangenen Jahr als Praktikantin bei Holger Bülow begonnen, die Liebe zu dieser Arbeit entdeckt und war fest entschlossen, das Vergolden zum Beruf zu machen. "Sie war ziemlich hartnäckig", begründet Holger Bülow mit einem Lächeln seine Entscheidung sie auszubilden. Aber das habe er nicht bereut, sagt er voller Respekt für die Beharrlichkeit und den Fleiß der 24-Jährigen. Zu den Spezialitäten der Firma gehören die Berliner Leisten. Erfolgreich ist die Werkstatt aber auch mit einem schlichten Holzwechselrahmen aus Buchenholz, der besonders für Ausstellungen geeignet ist. Die Gehrungen sind aufwändig verarbeitet, sichtbare Nut und Feder zeugen von handwerklich präziser Tischlerqualität, die bei Galeristen viel Anklang findet. Am liebsten aber sitzt Holger Bülow in der Vergolderei und gestaltet Musterrahmen - so, wie sie im Verkaufsraum aushängen. Kommen die Ideen doch eben aus diesem Verkaufsraum, in Gesprächen auf der Suche nach dem passenden Rahmen. Zu seinen spannendsten Aufträgen in der kurzen Firmengeschichte gehörten zahlreiche Rahmungen und die Hängung für das im Herbst 2000 eröffnete Brandenburg-Preußen-Museum, ein Privatmuseum in Wustrau. Porträts sämtlicher Kurfürsten galt es in jeweils zeitgenössischen Rahmen zu präsentieren - von der Gotik bis zur Gründerzeit.

Sabine Ebert

 

 

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Stand: 07. Oktober 2006